Greenpeace gratuliert! 1. Geburtstag des OZEANEUMs

1. Juli 2009

Deswegen werden wir mit unserem Aktionsschiff Beluga II vom 10.- 20. Juli direkt vor dem OZEANEUM anzutreffen sein. An Bord kann der Besucher eine Ausstellung und Filme zum weltweiten Meeresschutz sehen und natürlich kann die Beluga II in Augenschein genommen werden. Fachkundige Kollegen befinden sich an Bord und stehen gerne Rede und Antwort.

Die Beluga II kommt gerade von ihrer Nordsee-Tour vom Sylter Außenriff zurück, die neuesten Informationen dazu, sind ebenfalls an Bord einzusehen. Zusätzlich gibt es noch jede Menge Informationen und Aktivitäten rund um das Thema Meer.Von Vorträge an Bord bis hin zu Extra-Führungen durch die Ausstellung „1:1 Riesen der Meere”,

Theater- und Musikvorführungen der regionalen Greenpeace-Gruppen. Fahrten mit den Greeenpeace-Schlauchbooten sind am ersten Wochenende für Kinder möglich. In der Woche werden einige spannende Kinofilme rund ums Meer an die Außenfassade des OZEANEUMs projiziert.

Für die kleinen Besucher gibt es jede Menge Informationen zum Meeresschutz und zusätzlich die Möglichkeit vor Ort aktiv zu werden.

Also nichts wie hin …


Stimme jetzt für die Greenpeace Origami-Wale beim Webby-Award

21. April 2009

Die wunderbaren Origami-Wale der Kollegen von Greenpeace Australia & Pacific sind für die Webby-Awards 2009 nominiert und – dreimal kräftiges Flukenschlagen bitte! - belegen derzeit in ihrer Kategorie den ersten Platz! Damit das so bleibt, kannst auch du für die Papierriesen voten !

Screenshot Greenpeace Origami Whale

Einer von über 50.000 Origami-Walen

Das nominierte Konzept: Unter dem Motto „Send a Whale“ kann sich der User seinen ganz persönlichen Origami-Wal basteln und auf den Weg nach Japan schicken. Derzeit sind schon über 53000 der fabelhaften Geschöpfe unterwegs, um Druck auf den japanischen Premierminister zu machen. Die Forderung: Das Walschlachten im Pazifik aus pseudowissenschaftlichen Gründen und auf Kosten japanischer Steuerzahler muss endlich aufhören!

Die Webbies sind so etwas wie der Oscar im Internet – mit dem kleinen aber gewichtigen Unterschied, dass es hier neben einer Expertenjury auch einen „People’s Choice-Award“ gibt. Mitmachen geht ganz einfach: Nach kurzer Registrierung auf der Webbies-Seite kannst du oben die Aktion „Greenpeace – Send a Whale“ aus einer Dropbox auswählen und anschließend deine Stimme für die buntscheckigen Wale abgeben.


Junichi Sato wieder im Büro! Gerade richtig zur Kirschblüte und zur Ankunft der Walfänger

15. April 2009

Yunichi Sato zurück im Büro nach 9 Monaten Hausarrest. © Greenpeace

Zum ersten Mal seit neun Monaten wieder auf dem Weg ins Büro, entlang der belebten Straßen von Shinjuku - Junichi Sato genießt das alles in vollen Zügen und fühlt sich zugleich ein wenig fremd. Erst seit Kurzem darf er sich wieder etwas freier bewegen. Seitdem er vor knapp einem Jahr zusammen mit seinem Greenpeace-Kollegen Toru Suzuki einen gewaltigen Skandal um geschmuggeltes Walfleisch aufgedeckt hat, stand er unter striktem Hausarrest. Beide wurden wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs angeklagt; ihnen drohen zehn Jahre Haft.

Die Freude war riesengroß, als die beiden letzte Woche bei ihren Greenpeace-Kollegen auftauchten. Allerdings an unterschiedlichen Tagen, denn sich sehen oder miteinander reden dürfen sie noch immer nicht. Sie wurden begrüßt wie lang vermisste Abenteurer, die endlich nach Hause zurückgekehrt sind, heißt es aus dem Büro. Sato schildert seine Gedanken und Gefühle, als er das erste Mal seit neun Monaten wieder zu seinem Büro fährt:

Auf dem Weg zum Büro, das in einem sehr geschäftigen Viertel von Tokio liegt, habe er bemerkt, wie sehr sich die Straßen verändert hätten: “Da sind neue Gebäude, Geschäfte, Restaurants. Daran merke ich, wie lange ich wirklich weg war. Das letzte Mal, als ich hier vorbeikam, war ich gerade auf dem Weg vom Büro nach Hause. Ich wusste, dass ich am nächsten Tag verhaftet werden sollte. Zehn Monate verändern das Leben eines Menschen. Und sie verändern auch Gegenden.”

Bevor er das Bürogebäude betrat, habe er noch einen kleinen Abstecher zu einem nahegelegenen Shinto-Schrein gemacht. Wenigstens hier sollte sich nichts verändert haben, hoffte er. “Tatsächlich, das einzige, was anders war, waren die Kirschblüten, die aufgegangen waren. Es war genau der richtige Moment, um an diesen Ort zurückzukommen. Die Blütenpracht hat die Kraft, die Menschen aufzumuntern und sie zum Lächeln zu bringen.”

Im Büro angekommen bemerkt Sato viele Fotos an den Wänden. Sie zeigen Menschen auf der ganzen Welt, die Sato und Suzuki während ihrer Gefangenschaft und in der Zeit danach unterstützt haben. “Diese Fotos hier sind meine Blumen, die mir immer im Gedächtnis bleiben werden. Ich bin sehr dankbar, dass ich nun die Möglichkeit habe, allen, die an den Aktionen beteiligt waren, zu danken.”

Aber dass er wieder im Büro sei, fügt Sato noch hinzu, bedeute noch nicht, dass der Kampf um die Wale schon gewonnen sei. Zwar sei es sicherlich ein wichtiger Schritt, um den japanischen Walfang unter wissenschaftlichem Deckmantel zu beenden. Und es sei auch wichtig für die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft, in der die Bürger ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben dürften. Sato gibt sich kämpferisch: “Heute werde ich die Kampagne gegen illegalen Walfang in Japan neu starten, zusammen mit meinen großartigen Kollegen. Ich bitte euch alle, eure Unterstützung fortzusetzen.”

Und schon gestern meldete er sich öffentlich zu Wort. Greenpeace-Aktivisten erwarteten das Walfang-Schiff Nisshin Maru mit Protestbannern am Hafen von Shimonoseki. Es ist dasselbe Schiff, dessen Besatzung vor einem Jahr in den Schmuggel von Walfleisch verwickelt war, den Sato und Suzuki aufgedeckt hatten. Und wieder ist das Fabrikschiff vollgeladen mit Kisten, die bis obenhin mit handelsfertigem Walfleisch gefüllt sind. Angeblich handelt es sich nur um Beiprodukte aus sogenanntem wissenschaftlichen Fang.

Greenpeace-Aktivist Mai Suzuki protestiert bei der Ankunft des Walfangschiff Nisshin Maru in Shimonoseki (Japan) am 14 April 2009. Auf dem Plakat steht: “Walfang im Südpolarmeer: Täuschungen, Lügen, 1,2 Milliarden Yen Steuergelder”. ©Greenpeace/Masaya NodaU

“Die Fischereibehörde versprach mehr Transparenz, aber nichts passiert”, kritisiert Sato. “Wir wollten, dass die Verladung des Walfleisches dokumentiert wird, um zu verhindern, dass es in dunkle Kanäle verschwindet. Es geht nicht an, dass auf der einen Seite eine ‘Souvenir-Praxis’ geduldet wird, so dass die Crew unter der Hand das Walfleisch verscherbelt, und auf der anderen Seite die Steuerzahler mit 1,2 Milliarden Yen den Walfang subventionieren, vermeintlich für wissenschaftliche Zwecke. Auch angesichts der Wirtschaftskrise ist diese Verschwendung von Steuergeldern nicht tragbar.”

680 Wale mussten dieses Jahr dran glauben. Ökologisch und ökonomisch überflüssig, findet Sato: “Die Regale sind jetzt noch voll von den Fängen aus den letzten Jahren. Legal verkaufen lässt sich das Fleisch nicht. Wir fordern ein Ende der Lügen und ein rasches Ende des unsäglichen Walfangs.”

Sato wird uns auch weiterhin auf dem Laufenden halten. Für nächste Woche wird außerdem ein Beitrag seines Kollegen Suzuki erwartet.

©Greenpeace/Masaya Noda

Arbeiter laden Kisten ab vom Walfänger- und Fabrikschiff “Nisshin Maru” im Hafen von Shimonoseki, Japan (14.04.2009) ©Greenpeace/Masaya Noda

(Autorin: Sylvia Pritsch)


Tag X für Junichi Sato und Toru Suzuki

19. März 2009

Am 23. März ist es so weit: Es kommt in Japan zu einer entscheidenden Gerichtsanhörung für die Greenpeace-Mitarbeiter Junichi Sato und Toru Suzuki. Das Gericht wird dort entscheiden, in welchem Umfang Beweise für das Hauptverfahren gegen die beiden zugelassen werden. Das Verfahren ist eine Farce und offensichtlich politisch motiviert.

Japan betreibt seit Jahren Walfang im großen Stil im Schutzgebiet des Südpolarmeers. Um diesen Bruch des Walfangmoratoriums zu legitimieren, beruft sich die japanische Regierung auf einen Passus im längst veralteten Text der Internationalen Walfangkonvention, der das Töten von Walen zu Forschungszwecken und das Vermarkten der dabei anfallenden Fleischmengen auf dem lokalen Markt erlaubt.

Jährlich schießen japanische Walfänger rund 1300 Großwale. Der Vertrieb des Fleisches läuft über Regierungsstellen, denn nur die Regierung darf dieses Fleisch verkaufen.

Im vergangenen Jahr legte Greenpeace nach monatelangen Recherchen stichhaltige Beweise dafür vor, dass die Besatzung der Fangflotte seit Jahren tonnenweise Walfleisch illegal an Land schmuggelt. Der Verkauf bringt riesige Gewinne. Alle Verantwortlichen wissen davon und billigen es.

Im Mai 2008 stellten die Greenpeacer Junichi Sato und Toru Suzuki einen kleinen Teil des geschmuggelten Walfleisches sicher. Sie übergaben den Karton als Teil einer umfassenden Beweiskette der japanischen Staatsanwaltschaft. Doch diese ließ das Ermittlungsverfahren gegen die Walfänger fallen und klagte stattdessen die Greenpeace-Aktivisten wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs an. Sie hatten das Walfleisch im Zentrallager eines Paketdienstes sichergestellt.

Die Firma Kyodo Senpaku, die den Walfang im Regierungsauftrag durchführt und die Walfangflotte betreibt, behauptete, sie verschenke das Fleisch ganz offiziell an die Besatzungsmitglieder.

In diesem Fall muss das Fleisch allerdings erst offiziell von der japanischen Regierung gekauft werden und darüber muss es entsprechende Kaufverträge geben. Da die Offenlegung der Hintergründe des japanischen Walfangs im öffentlichen Interesse liegt, hat Greenpeace Japan eine Kopie dieser Kaufverträge angefordert.

Die Kopie wurde auch tatsächlich bereitgestellt - nahezu vollkommen geschwärzt. Das absurde Dokument liefert keinerlei Informationen. Die Walfangfirma hätte sich mit den Kaufverträgen entlasten können, stattdessen erhärtet sich der Schmuggelverdacht weiter.

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Am Montag, dem 23. März stehen die japanischen Greenpeace-Kollegen erneut vor Gericht. Seit Junichi Sato und Toru Suzuki im vergangenen Jahr zunächst verhaftet und dann unter strengen Hausarrest gestellt wurden, haben sich weltweit tausende Unterstützer für sie eingesetzt. Zuletzt am vergangenen Mittwoch, als Greenpeace-Aktivisten mit der Göttin Justitia vor der japanischen Botschaft Gerechtigkeit einforderten.

Denn das Verfahren soll von dem Skandal ablenken, das Japan internationale Schutzabkommen ignoriert, dass der japanische Walfang kommerziell ist und der angeblich wissenschaftliche Zweck des Tötens nichts, als ein fadenscheiniger Vorwand ist.

Auf den Prüfstand gehört das Töten der Tiere im japanischen Regierungsauftrag - und nicht der mutige Einsatz für den Schutz der Wale.

(Autor: Thilo Maack)


Endlich macht Bush mal was Gutes - zu spät, Mr. President!

10. Januar 2009

Mit dem größten Meeresschutzgebiet der Welt hat sich der fast schon Ex-US-Präsident Bush endlich mal einen positiven Superlativ zugelegt. Nie zuvor hat ein Mensch so viel Natur unter Schutz gestellt wie er. 60 % des Gebietes sollen nutzungsfrei sein, das bedeutet frei von kommerzieller Fischerei und dem Abbau von Rohstoffen. Damit hat Bush etwas geschafft, von dem das “saubere” Deutschland nur träumen kann.

Meeresschutzgebiete bestehen bei uns nämlich bisher nur auf dem Papier. So sind im Meeresschutzgebiet “Sylter Aussenriff” immer noch alle Formen der Fischerei sowie der Abbau von Sand und Kies erlaubt. Greenpeace fordert, dass mindestens 40 % der Weltmeere von nutzungsfreien Meeresschutzgebieten bedeckt sind. Nur so hat das Meer eine Chance, sich von der Ausbeutung durch den Menschen zu erholen.

Tja schade nur, dass Schutzgebiete das Meer nicht vor seiner größten Bedrohung - dem Klimawandel - schützen können und das war ja Bushs Spezialgebiet. Das Meer hat bis jetzt zwar etwa die Hälfte des menschengemachten CO2 aufgenommen, aber nicht ohne Konsequenzen. Vor Übersäuerung und Temperaturanstieg bewahren selbst Schutzgebiete nicht.
Also, Mister President, danke für das Schutzgebiet, aber das Image der Klimasau werden Sie auch damit nicht mehr los.


Blog im Urlaub

19. Dezember 2008

Liebe Riesen der Meere-Blog-Leser, auch dieser Blog braucht mal Ferien. In fünf Tagen ist Weihnachten und wir wünschen allen schöne Feiertage! Ab dem 7. Januar berichten wir hier wieder aktuell und umfassend über die Meeresschutzarbeit von Greenpeace Deutschland. Wir freuen uns, wenn Ihr dann alle wieder da seid. Und in der Zwischenzeit, könnt Ihr gern die Online-Petition für Junichi und Toru unterzeichnen.

Herzliche Grüße. Cornelia Deppe-Burghardt


Zurück aus Tokio - mit den Gedanken noch dort

17. Dezember 2008

Eine knappe Woche bin ich jetzt zurück aus Tokio. Aber trotz Jetlag und einer Menge liegen gebliebener Arbeit - meine Gedanken sind immer noch dort:

Fünf Tage Tokio, abseits der Touristenpfade. Für mich vor allem eine intensive Erfahrung einer ganz anderen Kultur, die ich auch über Treffen mit vielen interessanten Menschen kennenlernen konnte.

In erster Linie war ich dort, um mich für unsere beiden japanischen Kollegen Junichi und Toru einzusetzen und ihnen Mut zu machen. Gemeinsam mit sechs anderen Geschäftsführern von Greenpeace haben wir ein klares Zeichen gesetzt: Es darf kein Verbrechen sein, ein Verbrechen aufzudecken. Junichi und Toru haben das Walfleisch nicht genommen, um sich persönlich daran zu bereichern, sondern um einen Skandal aufzudecken, um eine bedrohte Art zu retten. Es war mir wichtig, mich vor die beiden zu stellen und zu sagen: Walschutz ist kein Verbrechen! Wenn Walschutz ein Verbrechen ist, müsst ihr auch mich einsperren! Freiheit für Junichi und Toru!

Trotz der großen Wahrscheinlichkeit, dass Junichi und Toru ins Gefängnis müssen, sind die beiden froh, dass sie den Kampf um das Überleben der Wale so geführt haben, wie sie es für richtig gehalten haben: gewaltfrei, und durch gezieltes Aufdecken illegaler Machenschaften.

Die Zeit in Japan hat mich in meiner Ansicht weiter gestärkt, dass man für seine Überzeugung einstehen muss. Ich habe Menschen getroffen, die für den Walschutz ins Gefängnis gehen würden. Und viele Menschen, die Junichi und Toru helfen wollen.

Das alles macht mir Mut! Mut mich weiter gegen den Walfang zu engagieren. Weiter das Unrecht aufzuzeigen und für die Natur zu kämpfen.

Ich hoffe, dass sich viele Menschen daran ein Beispiel nehmen. Wenn Unrecht vor unseren Augen geschieht, wenn man erkennt, dass es am Respekt vor Mensch und Natur mangelt, dann sollte sich jeder engagieren und Zivilcourage zeigen.

Danke auch an dieser Stelle, dass Sie uns bei der Arbeit gegen den Walfang und für die Freilassung von Junichi und Toru so zahlreich unterstützen. Allein auf der Homepage von Greenpeace International haben sich bis heute schon 32.000 Menschen mit den beiden Aktivisten solidarisch erklärt.

Herzlichst

Brigitte Behrens


Im OZEANEUM am 3. Advent

16. Dezember 2008

Unser letzter Aktionstag fand am 13. und 14. Dezember im OZEANEUM in Stralsund statt und stand ganz im Zeichen der beiden japanischen Greenpeace-Aktivisten Junichi Sato und Toru Suzuki, die in Japan vor Gericht stehen, weil sie sich für den Schutz der Wale eingesetzt haben. Ihr “Verbrechen” ist, dass sie illegalen Walfleischschmuggel und langjährige Korruption im japanischen Walfangprogramm aufdeckten. Nun drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft.

Die Greenpeace-Gruppe Greifswald/ Stralsund lud am Wochenende jeweils von 10-18 Uhr zum Gespräch an einen Infostand im Foyer des OZEANEUM und sammelte dort Unterschriften für einen weltweiten Protest gegen die Inhaftierung der beiden Aktivisten in Japan.

Basteln mit Kindern und ein Gewinnspiel erfreuten die Besucher der Ausstellung “Riesen der Meere” am 3. Advent. Es konnten viele Interessierte begrüßt werden - unter anderem auch ein älterer Herr mit weißem Rauschebart…


Gespräch mit Junichi und Toru in Tokio

12. Dezember 2008

Zurück in Hamburg. Vor meiner Abreise aus Tokio konnte ich noch Junichi und Toru, die beiden in Japan angeklagten Greenpeace-Aktivisten, treffen. Allerdings nur einzeln und unter Aufsicht ihrer Anwälte. Für sie gelten strenge polizeiliche Auflagen. Für Junichi und Toru und für ihre Familien hat sich nach Aufdeckung des Walfleisch-Skandals das Leben radikal verändert.

Das japanische Rechtssystem ist mit dem deutschen nicht vergleichbar. Kulturell bedingt gilt man in der japanischen Gesellschaft als schuldig und verurteilt, wenn man öffentlich abgeführt und angeklagt wird. Ehre ist für viele Japaner enorm wichtig. Öffentlich abgeführt oder angeklagt zu werden, kommt einem Gesichtsverlust gleich. Rund 92 Prozent der Anklagen in Japan führen zu einer Verurteilung.

Bei unserem Treffen haben mir beide erzählt, wie sie während der ersten Tage der Untersuchungshaft teilweise zwölf Stunden am Tag verhört wurden. Gefesselt an Tisch und Stuhl. Dies ist selbst bei schweren Straftaten äußerst ungewöhnlich. Sowohl die Anwälte unserer Aktivisten, als auch Experten haben mir gegenüber bestätigt, dass gegen Junichi und Toru mit übertriebener Härte und vollkommen unangemessen vorgegangen worden ist. Nach Einschätzung der Experten ist der Prozess gegen die beiden Aktivisten politisch motiviert.

Bei Junichi und Toru jedoch war zu meinem Erstaunen nichts von Frustration oder gar Resignation zu spüren. Im Gegenteil: sie waren sehr zuversichtlich. Sie wollen kämpfen, sich nicht in ihr Schicksal ergeben und vor Gericht für ihr Recht auf freie Meinungsäußerung kämpfen. Die Treffen mit Junichi und Toru haben mir selber Kraft gegeben. Kraft, um weiter gegen das Unrecht, das ihnen widerfährt, zu kämpfen. Und Kraft, weiter für ein Ende des japanischen Walfangs einzutreten.

Eine Verurteilung von Junichi und Toru würde gegen die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen von 1948 verstoßen. Hier ist unter anderem das Recht auf freie Meinungsäußerung festgelegt, das auch das Recht auf Informationsbeschaffung einschließt. Die Informationsbeschaffung, in diesem Fall die Sicherstellung des Kartons mit Walfleisch, ist hierunter zu verstehen. Es handelt sich nicht um Diebstahl, da Toru und Junichi sich nicht daran bereichert haben, sondern den Karton der Staatsanwaltschaft für Ermittlungszwecke zur Verfügung stellten.

Darum möchte ich Sie noch einmal bitten, sich für die Freilassung von Junichi und Toru einzusetzen und auch Ihr Umfeld dazu zu ermuntern.

Herzlichen Dank dafür.

Brigitte Behrens


Gemeinsamer Protest vor dem Parlament

9. Dezember 2008

Heute war der wichtigste Tag meiner Reise nach Japan. Gemeinsam mit Greenpeace-Kollegen von vier Kontinenten habe ich für die Einstellung des Verfahrens gegen meine zwei japanischen Kollegen protestiert. Jeder von uns hielt ein Schild in seiner Landessprache in die Höhe: “Walschutz ist kein Verbrechen. Freiheit für Junichi und Toru!”, “Arrest me too!”, “Whaling on trial!”. Unterstützt wurden wir noch von einem ehemaligen Kapitän eines Walfangschiffes, der sich heute für den Walschutz einsetzt.

Bei unserer Protestaktion vor dem Parlamentsgebäude war alles voll mit Polizei und Sicherheitskräften. Passanten wurden von der Polizei auf den Gehweg zwischen uns und den Journalisten dirigiert. Alle gingen eilig vorbei, es gab keinen Menschenauflauf - obwohl uns fünf Kamerateams filmten. Aber durch die Medien werden hoffentlich viele Menschen in Japan von unserem Protest erfahren.

Protest vor dem japanischen Parlament

Protest vor dem japanischen Parlament

Unseren Protest haben wir bewusst heute durchgeführt. Denn morgen wird weltweit an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vor 60 Jahren erinnert. Eine Verurteilung der beiden Greenpeace-Aktivisten wäre unserer Meinung nach ein Verstoß gegen elementare Menschenrechte, da die beiden ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen haben. Und dieses Recht schließt das Recht auf Informationsbeschaffung ein. Das darf nicht mit Gefängnis bestraft werden.

Unsere Idee heute ist: Wir stehen in Tokio für viele tausend Menschen weltweit, die sich für die Freilassung von Junichi und Toru einsetzen. Sollten die beiden für den Schutz der Wale verurteilt werden - ihnen drohen drei bis zehn Jahre Haft - müssten wir und diese vielen Menschen weltweit ebenso angeklagt werden.

Ich bin gespannt auf die Reaktionen und die Berichterstattung. Heute morgen hatten wir noch gemeinsam beim Kabinett des Premierministers ein Schreiben an den Premier überreicht. Darin haben wir ihn aufgefordert, eine unabhängige Untersuchung des von Greenpeace bekannt gemachten Walfleischschmuggel-Skandals einzuleiten. Denn die Ermittlungen gegen die Walfleisch-Schmuggler wurden bereits nach vier Wochen ohne Nennung von Gründen wieder eingestellt. Stattdessen wurden dann Junichi und Toru verhaftet und das Büro von Greenpeace durchsucht.

Ich möchte Euch auch noch einmal bitten, unseren Protest zu unterstützen. Bitte versucht auch Eure Familie, Freunde und Bekannte zum Mitmachen zu bewegen, damit der Druck auf die japanische Regierung nicht nachlässt.

Herzlichen Dank dafür aus Tokio
Brigitte Behrens



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