Gestern bin ich wieder in Deutschland angekommen. Ich werde wohl noch ein paar Tage brauchen, um mich wieder im normalen Landleben einzufinden. Nach dem Aufwachen habe ich als Erstes überlegt, ob ich vielleicht mein Bad putzen soll. Wie auf der Rainbow Warrior, wo jeden Morgen nach dem Frühstück erstmal das ganze Schiff geputzt wurde.
Die letzten zwei Wochen waren für mich ein Erlebnis und für die Kaltwasser-Korallenriffe Norwegens ein wichtiger Schritt hin zu besserem Schutz. Wir haben in Norwegen und ganz Skandinavien viele Menschen erreicht und sie über die Einzigartigkeit und ökologische Bedeutung dieser Lebensräume informieren. Dies ist ein besonderer Erfolg, da Greenpeace bis heute in Norwegen eine eher kleinere Fangemeinde hat. Doch in den letzten Jahren und nicht zuletzt durch diese Kampagne hat sich die Sichtweise vieler Leute in Norwegen geändert.
In den nächsten Monaten wird der Managementplan für die Norwegische See eingeführt und wir konnten dafür eine klare Botschaft vermitteln: Mehr Schutz für die einzigartigen Kaltwassser-Korallenriffe! Wir müssen dringend Schutzgebiete einrichten in der Norwegischen See.
Aber auch in anderen Gebieten in Küstengewässern und der Hohen See, in der sich empfindliche Tiefsee Lebensräume befinden. Und wir brauchen ein Sofortverbot für zerstörerische Gundschleppnetz Fischerei, bis es die Schutzgebiete gibt. Wenn wir diese Lebensräume nicht bald schützen, sind sie vielleicht für immer verloren.
Unsere Botschaft ist in vielen verschiedene Ebenen in Norwegen angekommen. Ich hoffe stark, dass Norwegen nun auch die Chance wahrnimmt, und einen Managementplan einrichtet, der auch ein Vorbild für andere Staaten wird. Wir dürfen jetzt nicht locker lassen, bis die Regelungen und guten Ideen auch wirklich vollständig umgesetzt sind.
Soweit erstmal von mir. Es bleibt nur noch mich bei dem Team von Greenpeace Norwegen und der Besatzung der Rainbow Warrior zu bedanken.
Gestern konnten wir endlich wieder auslaufen, der Wind ist abgeflacht und die Wellen sind niedriger. Auf dem Weg zu unserem Untersuchungsgebiet fuhr uns doch prompt ein norwegisches Fischerboot mit ausgebrachtem Grundschleppnetz vor die Nase. Auf unseren Funkspruch wollte er nicht antworten. Da mussten wir dann mal persönlich vorbeigucken, denn es ist schließlich verboten, über einem bekannten Korallenriff ein Grundschleppnetz einzusetzen.
Das bedeutete: Rein ins Schlauchboot, mitsamt Infomaterial und Kamera, die uns immer begleiten. Als das Schlauchboot längsseits des Trawlers geht, nimmt er Funkkontakt auf, aber an Bord will er uns nicht lassen. Unser Infomaterial interessiert ihn auch nicht.
Wir haben dann die Küstenwache alarmiert und hoffen, dass sie sich darum kümmern. Die Küstenwache hier in Norwegen ist uns gegenüber eher positiv eingestellt. Besonders seit dem Erfolg im Kampf gegen illegale Fischerei und gegen die Praxis, Beifang einfach über Bord zu werfen, sind sie Greenpeace gegenüber sehr kooperativ.
Und dann konnten wir endlich wieder die Kamera ins Wasser bringen. Seit dem letzten Scan haben wir ein bisschen dazu gelernt und jetzt läuft alles prima. Also los geht’s! Bei strahlendem Sonnenschein und sternenklarem Himmel haben wir uns alle auf der Brücke versammelt und in Schichten zu je vier Stunden eingeteilt.
Es gibt viel zu tun: Die Winch (das ist die Winde, an der die Kamera hängt) muss bewegt werden. Einer muss in der Brücke der Bildschirm im Auge behalten und alles notieren, was er sieht. Dazu müssen noch Fotos gemacht werden. Und das Schiff muss über Nacht auch im Auge behalten werden. Alle haben vollen Einsatz gezeigt und es wurden sehr erfolgreiche 24 Stunden.
Dort, wo wir Korallenriffe finden, blüht das Unterwasserleben. Man kann viele verschiedene Tiere sehen, die auf oder zwischen den Korallen leben. Einige dieser Riffstruckturen sind sicher mehrere hundert Jahre alt. Leider haben wir auch viel zerstörte Korallen gesehen und Leinen von Trawlern, die sich in den Korallen verfangen und sie beschädigt haben. Ihr könnt das jetzt auch auf unseren letzten Fotos sehen.
Erst als ich diese Bilder live unter mir gesehen habe, habe ich so richtig verstanden, was ein besonders wertvoller Lebensraum ist und warum es so wichtig ist diese Lebensräume vor Zerstörung zu schützen.
Bettina Walter, Meeresbiologin, von Bord der Rainbow Warrior
Heute beginnt in London das Treffen der Nordost Atlantischen Fischerei Kommission (NEAFC). Einer der wichtigsten Punkte auf der Agenda ist der Schutz wertvoller Tiefsee-Lebensräume vor der Zerstörung durch Grundschleppnetz Fischerei.
2006 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA) eine Resolution, die alle Regionalen Fischerei Organisationen (RFMO) dazu auffordert, Maßnahmen zum Schutz besonders wertvoller Ökosysteme wie den Kaltwasser Korallenriffen zu ergreifen.
Für die Fischereiorganisationen bedeutet dies, dass sie entsprechende Maßnahmen bis Ende 2010 umsetzen müssen. Ansonsten kann nämlich die UN ein Sofortverbot für Grundschleppnetz Fischerei auf der hohen See aussprechen.
Wenn die Fischerei-Kommission es mit dem Schutz für wertvoller Ökosysteme ernst meint, muss sie sofort aktiv werden, um die UN-Resolutionen auch wirklich umzusetzen. Alle Gebiete, in denen wertvolle Tiefsee-Lebensräume wie Kaltwasser Korallenriffe vermutet werden, müssen also umgehend für zerstörerische Grundschleppnetz Fischerei geschlossen werden.
Zur Diskussion steht auf diesem Treffen auch ein Antrag Norwegens zum Schutz besonders empfindlicher Ökosysteme vor zerstörerischer Grundschleppnetz Fischerei. Dies wäre ein wichtiger Schritt für die Einführung eines großflächigen Schutzprogramms für die hohe See. Sicher ist vor allem, dass dringend mehr Einsatz notwendig ist, um die Ausbeutung der Tiefsee zu bremsen und einen langfristigen Schutz der Tiefsee zu gewährleisten.
Das Greenpeace-Flaggschiff Rainbow Warrior befindet sich momentan auf einer Tour in der norwegischen See um die einzigartigen Kaltwasser Korallenriffe zu dokumentieren. Wenn Ihr wissen möchtet, wo genau wir uns befinden, schaut doch mal rein in den (englischsprachigen) Blog meiner Kollegin Frida Bengtsson , dort gibt es auch Karten.
Bis jetzt sind nur wenige dieser jahrtausendalten Riffstrukturen geschützt. Greenpeace fordert mehr Einsatz für den Schutz der Tiefsee und die Nordost Atlantische Fischerei Kommission umgehend Maßnahmen zu ergreifen um die Resolution der Vereintein Nationen vollständig umzusetzen.
Meeresbiologin Bettina Walter berichtet von Bord der Rainbow Warrior
Weltweit werden Tiefsee-Lebensräume durch Grundschleppnetz-Fischerei zerstört. Neben den Kaltwasser-Korallenriffen vor Norwegen gibt es weitere Beispiele für die Bedrohung dieser wenig erforschten einzigartigen Ökosysteme: Kaltwasser-Korallen in der Barentssee, schwarze Raucher auf dem Atlantischen Rücken und Unterwasserberge im Pazifik.
Das Thema ist nicht neu und viele Staaten - auch Deutschland - haben sich bereits für den Schutz gefährdeter Tiefsee-Lebensräume ausgesprochen. Doch bei der Umsetzung hängt es. Besonders auf Hoher See - dem Meeresbereich jenseits der 200-Seemeilen-Zone und der Ausschließlichen Wirtschaftszone der angrenzenden Küstenstaaten - herrschen trotz Vereinbarungen immer noch “Wild West”-Verhältnisse. Dieser Bereich gilt als Allgemeingut und für solche Bereichen sind die Vereinten Nationen (UN) zuständig.
2006 vereinbarte die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA) Regulierungen der Tiefsee-Fischerei, um wertvolle Tiefsee-Ökosysteme zu schützen. Bis zum 31. Dezember letzten Jahres sollten die Länder entsprechende Maßnahmen einführen, um diese Beschlüsse umzusetzen. Zuständig dafür sind die Regionalen Fischereiorganisationen (RFMO), wie zum Beispiel die NEAFC (North East Atlantic Fisheries Comission).
Nachdem die Frist abgelaufen ist, forden die Vereinten Nationen von den einzelnen RFMO und den einzelnen Staaten einen Nachweis über die Wirksamkeit der Regulierungsmaßnahmen. Für einen wirkungsvollen Schutz der Tiefsee ist es wichtig, dass dieser Bericht genau und kritisch ist. Deshalb fordert Greenpeace die Deutsche Regierung dazu auf, alle wichtigen Informationen weiterzugeben. Für uns sind dabei natürlich die Aspekte besonders interessant, die zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen für den Schutz der wertvollen Ökosysteme nicht ausreichen.
Die meisten Maßnahmen sind zu schwach. Ein gutes Beispiel dafür ist die so genannte “move-on” Regelung. Danach muss sich ein Trawler zwei nautische Meilen von seinen ursprünglichen Fanggebiet wegbewegen, wenn er 100 Kilogramm Korallen oder 1000 Kilogramm Schwamm in seinem Netz hat. Zum Schutz eines bedrohten Lebensraums eignet sich eine solche Regelung allerdings nicht, denn Maßnahmen werden erst nach der Zerstörung ergriffen. Es ist aber viel wichtiger, die Zerstörung generell zu verhindern.
Deshalb sind wir jetzt in der norwegischen See aktiv: Damit Schutzgebiete für die einzigartigen Kaltwasser-Korallenriffe eingerichtet werden. Doch wir können gar nicht an so vielen Orten gleichzeitig sein, wie es nötig wäre. Denn überall, wo es ökologische wertvolle Lebensräume auf der hohen See gibt, müssen Schutzgebiete eingerichtet werden. Gebiete die frei von menschlicher Nutzung sind und dem Meer Raum geben, sich von dem Stress zu erholen, den der Mensch ausübt. Und so lange keine ordentlichen Regelungen für diese Ruhezonen eingeführt wurden, muss es ein Sofortverbot für zerstörerische Nutzung wie der Grundschleppnetzfischerei geben.
Meeresbiologin Bettina Walter berichtet von Bord der Rainbow Warrior
Donnerstagabend haben wir zum ersten Mal die Unterwasserkamera eingesetzt! Die ganze Mannschaft war an Deck und alle waren sehr aufgeregt. Die Kamera zu bedienen, ist nicht ganz einfach, denn das Schiff driftet und die Struktur des Meeresbodens verändert sich ständig. So muss man höllisch aufpassen, dass die Kamera nicht auf den Boden aufschlägt. Zu weit weg vom Grund darf sie aber auch nicht sein, denn dann sieht man nichts.
Nach ein bisschen Übung hatten wir es alle gut raus. Die Bedingungen waren ausgezeichnet: die Wellen sehr niedrig und die Strömung nicht zu stark. So haben wir gleich eine Nachtschicht eingeschoben. Es ist wirklich beeindruckend, live zu sehen was gerade 300 Meter unter einem passiert! Da unten ist es alles andere als langweilig. Wir haben viele verschieden Tiere gesehen und auch die Spuren der Menschen. Flaschen, Schuhe, einen Regenschirm. Dinge, die achtlos weggeworfen wurden und für eine lange Zeit dort auf dem Meeresboden liegen bleiben.
Obwohl wir die ganze Nacht filmten und Fotos schossen, haben wird doch nur einen winzigen Ausschnitt von dem gesehen, was da unten passiert. Der Planet Erde ist zu etwa 70 Prozent mit Wasser bedeckt, der größte Teil davon ist Tiefsee. So grotesk es klingen mag: Wir wissen viel weniger über die Tiefsee als über den Mond. Nach vier Stunden vor dem Monitor wird einem langsam klar, warum das so ist: Tiefseeforschung ist wahnsinnig teuer und mit sehr viel Aufwand verbunden.
Aber eigentlich sind wir ja hier um Korallen zu dokumentieren. Das haben wir auch und werden es auch weiterhin tun, wenn das Wetter es zulässt. Leider haben wir im Moment noch keine guten Fotos da der Blitz verrutscht ist. Wir müssen schon noch ein bisschen üben. Ich werde aber bald Bilder schicken
Wir haben schon viele Lophelia-Korallen von unterschiedlicher Form und Größe gesehen. Diese kleineren Riffstrukturen bieten Lebensraum für viele andere Lebewesen wie Seesterne, Fische und verschiedene Weichkorallen. Wir haben aber auch erschreckend viele zerstörte Korallen gesehen, umherliegende Stücke dieser prächtigen Riffstrukturen, die bis zu 25 Meter dicke Riffe ausbilden können. Man kann nicht wirklich sagen, wann diese Riffe zerstört wurden, da sie so unendlich lange brauchen, um sich wieder zu regenerieren - von uns wird das wohl keiner mehr erleben.
In norwegischen Gewässern gibt es momentan sechs Meeresschutzgebiete, in denen allerdings nur die Grundschleppnetz-Fischerei verboten ist. Schutzgebiet bedeutet für Greenpeace aber: Dieses Gebiet muss von jeglicher menschlicher Nutzung wie Fischerei, Öl- und Gasförderung und Sand und Kiesabbau ausgeschlossen sein! Seit 2003 wurde kein neues Meeresschutzgebiet für Kaltwassser-Korallen ausgerufen, obwohl seitdem viele neue Riffe entdeckt wurden, die dringend unter Schutz gestellt werden müssen. So wie Breisunddypet. Wir wollen zeigen, wie schützenswert dieses Gebiet ist. Für Schutzmaßnahmen ist es noch nicht zu spät!
Meeresbiologin Bettina Walter berichtet von Bord der Rainbow Warrior
Wenn man von Korallen spricht denken die meisten Leute an Australien, badewannenwarmes Wasser und klare Sicht. Stattdessen trafen wir auf unserer Fahrt in den Nordostatlantik auf eine zerklüftete Fjordlandschaft und Regen bei 5°C Lufttemperatur. Denn wir waren unterwegs zu den einzigartigen Korallenriffen vor der Küste Norwegens.
(c) Greenpeace / Aslund
Um meine Kollegen von Greenpeace Nordic bei ihrer Tour zum Schutz der einzigartigen Kaltwasser-Korallen zu unterstützen, ging ich am Sonntag im regnerischen Bergen an Bord der Rainbow Warrior. Zum Start gab es einen gut besuchten Tag der offenen Tür in Bergen - die Profis hier an Bord nennen das “Open Ship”. Und eine sehr informative Pressekonferenz, an der auch zwei Wissenschaftler des norwegischen Institut für Meeresforschung teilnahmen.
Heute sind wir endlich im Untersuchungsgebiet angekommen. In den nächsten Tage werden wir Unterwasseraufnahmen eines Gebiets mit dem unaussprechlichen Namen Breisunddypet machen, um die dort vorkommenden Korallenriffe zu dokumentieren.
Die Unterwasserwelt ist faszinierend und wunderschön, das Riff wirkt wie ein Blumengarten. Dabei ist die Kaltwasserkoralle Lophelia, aus der diese Riffe zum größten Teil bestehen, eine Kolonie aus vielen kleinen Tieren. Und die leben hier in der norwegischen See meist in einer Wassertiefe von rund 200 - 400 Metern. Deshalb brauchen wir für unsere Aufnahmen eine spezielle Kamera, die den hohen Druck verträgt und dazu mit starken Scheinwerfern ausgestattet ist. Denn dort unten herrscht absolute Dunkelheit.
Neben ihrer Schönheit und Einzigartigkeit stellen die Riffe allerdings auch ein erschreckendes Beispiel für die Zerstörungskaft des Menschen dar. Jahrtausendelang gewachsene Riffe werden von einem Grundschleppnetz in nur wenigen Minuten dem Erdboden gleich gemacht, oder in diesem Fall wohl eher dem Meeresboden. Wo sich vorher das blühende Leben tummelte, bleibt nur noch ein Haufen Schutt. Doch die Menschen schädigen durch diese rücksichtslose Zerstörung nicht nur das Ökosystem, sondern auch sich selbst: Denn mit den Korallen verschwinden auch die Fische.
Unser Greenpeace-Team ist hier, um die Zerstörung der Riffe durch zerstörerische Fangmethoden zu dokumentieren - aber auch die Artenvielfalt und Faszination dieses faszinierenden Lebensraums. Die Zerstörung der Kaltwasser-Korallen muss endlich gestoppt werden!
Meeresbiologin Bettina Walter berichtet von Bord der Rainbow Warrior
Am 23. März ist es so weit: Es kommt in Japan zu einer entscheidenden Gerichtsanhörung für die Greenpeace-Mitarbeiter Junichi Sato und Toru Suzuki. Das Gericht wird dort entscheiden, in welchem Umfang Beweise für das Hauptverfahren gegen die beiden zugelassen werden. Das Verfahren ist eine Farce und offensichtlich politisch motiviert.
Japan betreibt seit Jahren Walfang im großen Stil im Schutzgebiet des Südpolarmeers. Um diesen Bruch des Walfangmoratoriums zu legitimieren, beruft sich die japanische Regierung auf einen Passus im längst veralteten Text der Internationalen Walfangkonvention, der das Töten von Walen zu Forschungszwecken und das Vermarkten der dabei anfallenden Fleischmengen auf dem lokalen Markt erlaubt.
Jährlich schießen japanische Walfänger rund 1300 Großwale. Der Vertrieb des Fleisches läuft über Regierungsstellen, denn nur die Regierung darf dieses Fleisch verkaufen.
Im vergangenen Jahr legte Greenpeace nach monatelangen Recherchen stichhaltige Beweise dafür vor, dass die Besatzung der Fangflotte seit Jahren tonnenweise Walfleisch illegal an Land schmuggelt. Der Verkauf bringt riesige Gewinne. Alle Verantwortlichen wissen davon und billigen es.
Im Mai 2008 stellten die Greenpeacer Junichi Sato und Toru Suzuki einen kleinen Teil des geschmuggelten Walfleisches sicher. Sie übergaben den Karton als Teil einer umfassenden Beweiskette der japanischen Staatsanwaltschaft. Doch diese ließ das Ermittlungsverfahren gegen die Walfänger fallen und klagte stattdessen die Greenpeace-Aktivisten wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs an. Sie hatten das Walfleisch im Zentrallager eines Paketdienstes sichergestellt.
Die Firma Kyodo Senpaku, die den Walfang im Regierungsauftrag durchführt und die Walfangflotte betreibt, behauptete, sie verschenke das Fleisch ganz offiziell an die Besatzungsmitglieder.
In diesem Fall muss das Fleisch allerdings erst offiziell von der japanischen Regierung gekauft werden und darüber muss es entsprechende Kaufverträge geben. Da die Offenlegung der Hintergründe des japanischen Walfangs im öffentlichen Interesse liegt, hat Greenpeace Japan eine Kopie dieser Kaufverträge angefordert.
Die Kopie wurde auch tatsächlich bereitgestellt - nahezu vollkommen geschwärzt. Das absurde Dokument liefert keinerlei Informationen. Die Walfangfirma hätte sich mit den Kaufverträgen entlasten können, stattdessen erhärtet sich der Schmuggelverdacht weiter.
Am Montag, dem 23. März stehen die japanischen Greenpeace-Kollegen erneut vor Gericht. Seit Junichi Sato und Toru Suzuki im vergangenen Jahr zunächst verhaftet und dann unter strengen Hausarrest gestellt wurden, haben sich weltweit tausende Unterstützer für sie eingesetzt. Zuletzt am vergangenen Mittwoch, als Greenpeace-Aktivisten mit der Göttin Justitia vor der japanischen Botschaft Gerechtigkeit einforderten.
Denn das Verfahren soll von dem Skandal ablenken, das Japan internationale Schutzabkommen ignoriert, dass der japanische Walfang kommerziell ist und der angeblich wissenschaftliche Zweck des Tötens nichts, als ein fadenscheiniger Vorwand ist.
Auf den Prüfstand gehört das Töten der Tiere im japanischen Regierungsauftrag - und nicht der mutige Einsatz für den Schutz der Wale.
Europas größtes präpariertes Tierherz ist seit heute im OZEANEUM Stralsund zu sehen. Das gezeigte Herz eines Finnwals bringt stattliche 61 kg auf die Waage und hat einen Umfang von zwei Metern. Das Herz wirkt gewaltig, doch im Verhältnis zu dem riesigen Körper ist die Größe normal. Der im Januar 2006 in der Wismarer Bucht gestrandete Finnwal war 16,5 Meter lang, wog 20 Tonnen und war Gegenstand umfangreicher Medienberichterstattung: Aus Protest gegen den sinnlosen Walfang zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken transportierte Greenpeace den Finnwal nach seiner Bergung vor die japanische Botschaft in Berlin, bevor er an die Wissenschaftler und Präparatoren des Deutschen Meeresmuseums übergeben wurde. Die Japaner wollen immer noch jedes Jahr 50 Finnwale fangen. Die Zukunft der internationalen Walfangkommission wird zurzeit in Rom verhandelt.
Das Herz des Wals schlägt gemächlich. Je größer ein Säugetier, desto geringer die Herzfrequenz. Die Herzfrequenz des Finnwals liegt zwischen vier und acht Schlägen pro Minute und ist damit zehnmal niedriger als beim Menschen. Das mit Konservierungsflüssigkeit gefüllte Glasbecken mit dem eindrucksvollen Exponat hat seinen Platz in der Ausstellung „1:1 – Riesen der Meere“ in Nähe des Riesenkalmars gefunden. Zum Vergleich haben die Präparatoren des Deutschen Meeresmuseums ein menschliches Herz daneben platziert.
(c) Paul Langrock/Zenit/Greenpeace - Greenpeace-Protest mit dem toten Finnwal vor der japanischen Botschaft in Berlin: Wissenschaft braucht keine Harpunen
Neben diesem und anderen Exponaten werden in dieser gemeinsam mit Greenpeace umgesetzten Ausstellung Walmodelle in Originalgröße gezeigt. Die von Greenpeace und dem Deutschen Meeresmuseum gemeinsam konzipierte Ausstellung zeigt einen 26 Meter langen Blauwal, ein 16 Meter langes Buckelwalweibchen mit Kalb, einen 15 Meter langen Pottwal im Kampf mit einem Riesenkalmar sowie einen acht Meter langen Orca. Seit Eröffnung im Juli 2008 besuchten über 650.000 Menschen die Ausstellungen und Aquarien im OZEANEUM Stralsund.