Blog im Urlaub

19. Dezember 2008

Liebe Riesen der Meere-Blog-Leser, auch dieser Blog braucht mal Ferien. In fünf Tagen ist Weihnachten und wir wünschen allen schöne Feiertage! Ab dem 7. Januar berichten wir hier wieder aktuell und umfassend über die Meeresschutzarbeit von Greenpeace Deutschland. Wir freuen uns, wenn Ihr dann alle wieder da seid. Und in der Zwischenzeit, könnt Ihr gern die Online-Petition für Junichi und Toru unterzeichnen.

Herzliche Grüße. Cornelia Deppe-Burghardt


Zurück aus Tokio - mit den Gedanken noch dort

17. Dezember 2008

Eine knappe Woche bin ich jetzt zurück aus Tokio. Aber trotz Jetlag und einer Menge liegen gebliebener Arbeit - meine Gedanken sind immer noch dort:

Fünf Tage Tokio, abseits der Touristenpfade. Für mich vor allem eine intensive Erfahrung einer ganz anderen Kultur, die ich auch über Treffen mit vielen interessanten Menschen kennenlernen konnte.

In erster Linie war ich dort, um mich für unsere beiden japanischen Kollegen Junichi und Toru einzusetzen und ihnen Mut zu machen. Gemeinsam mit sechs anderen Geschäftsführern von Greenpeace haben wir ein klares Zeichen gesetzt: Es darf kein Verbrechen sein, ein Verbrechen aufzudecken. Junichi und Toru haben das Walfleisch nicht genommen, um sich persönlich daran zu bereichern, sondern um einen Skandal aufzudecken, um eine bedrohte Art zu retten. Es war mir wichtig, mich vor die beiden zu stellen und zu sagen: Walschutz ist kein Verbrechen! Wenn Walschutz ein Verbrechen ist, müsst ihr auch mich einsperren! Freiheit für Junichi und Toru!

Trotz der großen Wahrscheinlichkeit, dass Junichi und Toru ins Gefängnis müssen, sind die beiden froh, dass sie den Kampf um das Überleben der Wale so geführt haben, wie sie es für richtig gehalten haben: gewaltfrei, und durch gezieltes Aufdecken illegaler Machenschaften.

Die Zeit in Japan hat mich in meiner Ansicht weiter gestärkt, dass man für seine Überzeugung einstehen muss. Ich habe Menschen getroffen, die für den Walschutz ins Gefängnis gehen würden. Und viele Menschen, die Junichi und Toru helfen wollen.

Das alles macht mir Mut! Mut mich weiter gegen den Walfang zu engagieren. Weiter das Unrecht aufzuzeigen und für die Natur zu kämpfen.

Ich hoffe, dass sich viele Menschen daran ein Beispiel nehmen. Wenn Unrecht vor unseren Augen geschieht, wenn man erkennt, dass es am Respekt vor Mensch und Natur mangelt, dann sollte sich jeder engagieren und Zivilcourage zeigen.

Danke auch an dieser Stelle, dass Sie uns bei der Arbeit gegen den Walfang und für die Freilassung von Junichi und Toru so zahlreich unterstützen. Allein auf der Homepage von Greenpeace International haben sich bis heute schon 32.000 Menschen mit den beiden Aktivisten solidarisch erklärt.

Herzlichst

Brigitte Behrens


Im OZEANEUM am 3. Advent

16. Dezember 2008

Unser letzter Aktionstag fand am 13. und 14. Dezember im OZEANEUM in Stralsund statt und stand ganz im Zeichen der beiden japanischen Greenpeace-Aktivisten Junichi Sato und Toru Suzuki, die in Japan vor Gericht stehen, weil sie sich für den Schutz der Wale eingesetzt haben. Ihr “Verbrechen” ist, dass sie illegalen Walfleischschmuggel und langjährige Korruption im japanischen Walfangprogramm aufdeckten. Nun drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft.

Die Greenpeace-Gruppe Greifswald/ Stralsund lud am Wochenende jeweils von 10-18 Uhr zum Gespräch an einen Infostand im Foyer des OZEANEUM und sammelte dort Unterschriften für einen weltweiten Protest gegen die Inhaftierung der beiden Aktivisten in Japan.

Basteln mit Kindern und ein Gewinnspiel erfreuten die Besucher der Ausstellung “Riesen der Meere” am 3. Advent. Es konnten viele Interessierte begrüßt werden - unter anderem auch ein älterer Herr mit weißem Rauschebart…


Gespräch mit Junichi und Toru in Tokio

12. Dezember 2008

Zurück in Hamburg. Vor meiner Abreise aus Tokio konnte ich noch Junichi und Toru, die beiden in Japan angeklagten Greenpeace-Aktivisten, treffen. Allerdings nur einzeln und unter Aufsicht ihrer Anwälte. Für sie gelten strenge polizeiliche Auflagen. Für Junichi und Toru und für ihre Familien hat sich nach Aufdeckung des Walfleisch-Skandals das Leben radikal verändert.

Das japanische Rechtssystem ist mit dem deutschen nicht vergleichbar. Kulturell bedingt gilt man in der japanischen Gesellschaft als schuldig und verurteilt, wenn man öffentlich abgeführt und angeklagt wird. Ehre ist für viele Japaner enorm wichtig. Öffentlich abgeführt oder angeklagt zu werden, kommt einem Gesichtsverlust gleich. Rund 92 Prozent der Anklagen in Japan führen zu einer Verurteilung.

Bei unserem Treffen haben mir beide erzählt, wie sie während der ersten Tage der Untersuchungshaft teilweise zwölf Stunden am Tag verhört wurden. Gefesselt an Tisch und Stuhl. Dies ist selbst bei schweren Straftaten äußerst ungewöhnlich. Sowohl die Anwälte unserer Aktivisten, als auch Experten haben mir gegenüber bestätigt, dass gegen Junichi und Toru mit übertriebener Härte und vollkommen unangemessen vorgegangen worden ist. Nach Einschätzung der Experten ist der Prozess gegen die beiden Aktivisten politisch motiviert.

Bei Junichi und Toru jedoch war zu meinem Erstaunen nichts von Frustration oder gar Resignation zu spüren. Im Gegenteil: sie waren sehr zuversichtlich. Sie wollen kämpfen, sich nicht in ihr Schicksal ergeben und vor Gericht für ihr Recht auf freie Meinungsäußerung kämpfen. Die Treffen mit Junichi und Toru haben mir selber Kraft gegeben. Kraft, um weiter gegen das Unrecht, das ihnen widerfährt, zu kämpfen. Und Kraft, weiter für ein Ende des japanischen Walfangs einzutreten.

Eine Verurteilung von Junichi und Toru würde gegen die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen von 1948 verstoßen. Hier ist unter anderem das Recht auf freie Meinungsäußerung festgelegt, das auch das Recht auf Informationsbeschaffung einschließt. Die Informationsbeschaffung, in diesem Fall die Sicherstellung des Kartons mit Walfleisch, ist hierunter zu verstehen. Es handelt sich nicht um Diebstahl, da Toru und Junichi sich nicht daran bereichert haben, sondern den Karton der Staatsanwaltschaft für Ermittlungszwecke zur Verfügung stellten.

Darum möchte ich Sie noch einmal bitten, sich für die Freilassung von Junichi und Toru einzusetzen und auch Ihr Umfeld dazu zu ermuntern.

Herzlichen Dank dafür.

Brigitte Behrens


Gemeinsamer Protest vor dem Parlament

9. Dezember 2008

Heute war der wichtigste Tag meiner Reise nach Japan. Gemeinsam mit Greenpeace-Kollegen von vier Kontinenten habe ich für die Einstellung des Verfahrens gegen meine zwei japanischen Kollegen protestiert. Jeder von uns hielt ein Schild in seiner Landessprache in die Höhe: “Walschutz ist kein Verbrechen. Freiheit für Junichi und Toru!”, “Arrest me too!”, “Whaling on trial!”. Unterstützt wurden wir noch von einem ehemaligen Kapitän eines Walfangschiffes, der sich heute für den Walschutz einsetzt.

Bei unserer Protestaktion vor dem Parlamentsgebäude war alles voll mit Polizei und Sicherheitskräften. Passanten wurden von der Polizei auf den Gehweg zwischen uns und den Journalisten dirigiert. Alle gingen eilig vorbei, es gab keinen Menschenauflauf - obwohl uns fünf Kamerateams filmten. Aber durch die Medien werden hoffentlich viele Menschen in Japan von unserem Protest erfahren.

Protest vor dem japanischen Parlament

Protest vor dem japanischen Parlament

Unseren Protest haben wir bewusst heute durchgeführt. Denn morgen wird weltweit an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vor 60 Jahren erinnert. Eine Verurteilung der beiden Greenpeace-Aktivisten wäre unserer Meinung nach ein Verstoß gegen elementare Menschenrechte, da die beiden ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen haben. Und dieses Recht schließt das Recht auf Informationsbeschaffung ein. Das darf nicht mit Gefängnis bestraft werden.

Unsere Idee heute ist: Wir stehen in Tokio für viele tausend Menschen weltweit, die sich für die Freilassung von Junichi und Toru einsetzen. Sollten die beiden für den Schutz der Wale verurteilt werden - ihnen drohen drei bis zehn Jahre Haft - müssten wir und diese vielen Menschen weltweit ebenso angeklagt werden.

Ich bin gespannt auf die Reaktionen und die Berichterstattung. Heute morgen hatten wir noch gemeinsam beim Kabinett des Premierministers ein Schreiben an den Premier überreicht. Darin haben wir ihn aufgefordert, eine unabhängige Untersuchung des von Greenpeace bekannt gemachten Walfleischschmuggel-Skandals einzuleiten. Denn die Ermittlungen gegen die Walfleisch-Schmuggler wurden bereits nach vier Wochen ohne Nennung von Gründen wieder eingestellt. Stattdessen wurden dann Junichi und Toru verhaftet und das Büro von Greenpeace durchsucht.

Ich möchte Euch auch noch einmal bitten, unseren Protest zu unterstützen. Bitte versucht auch Eure Familie, Freunde und Bekannte zum Mitmachen zu bewegen, damit der Druck auf die japanische Regierung nicht nachlässt.

Herzlichen Dank dafür aus Tokio
Brigitte Behrens


Wenn Fische nur noch Ware sind

8. Dezember 2008

Weltweit ist einer der größten Raubfische akut gefährdet, vielerorts sogar komplett verschwunden: der Tunfisch. Die Überfischung der Meere - man muss eigentlich von Plünderung sprechen – hat den Tunfischschwärmen massiv zugesetzt.
Heute am frühen Morgen haben wir mitten in Tokio einen Ort besucht, der zu den tunfischreichsten Orten der Welt gehört. Allerdings sind alle Exemplare dort tot. Das ist der Tsukiji-Fischmarkt, der größte Fischmarkt der Welt und der größte Umschlagplatz für Tunfisch aus aller Welt.

Tunfische auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji

Tunfische auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji

An jedem Handelstag werden hier rund 200 Tonnen Tunfisch im Wert von gut 20 Millionen Dollar versteigert. Ein einzelner Tunfisch kann einen Wert von 25.000 Dollar haben. In einer der Hallen gingen die Händler mit Taschenlampe und Fischhaken umher und prüften die Qualität der Fische. Um 5.30 Uhr kommt der Auktionator - und dann dauert es keine 40 Minuten, bis über 1000 Tunfische versteigert sind. Die Fische werden sofort zu den Ständen der Käufer gebracht und dort verarbeitet.

Der Tsukiji Markt hat uns heute den ganzen Irrsinn der Überfischung der Meere gezeigt. Da der Tunfisch weltweit massiv überfischt ist, liegen hier in Tokio Exemplare aus den USA, der Türkei, Mexiko und den japanischen Küstengewässern nebeneinander.

Walfleisch auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji

Walfleisch auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji

Auch importiertes Walfleisch aus Island ist hier auf dem Markt zu finden und erinnert uns an den Grund unserer Reise nach Japan. Die Anklage gegen unsere beiden japanischen Greenpeace-Kollegen. Morgen wird der wichtigste Tag unseres Aufenthaltes hier, wenn wir mit unseren Kollegen aus Japan, Australien, Brasilien, Holland, der Schweiz und den USA eine Pressekonferenz durchführen, um die Einstellung des politischen Verfahrens gegen Junichi und Toru zu fordern.

Wir hoffen auf großes Medieninteresse, damit möglichst viele Menschen über die Umstände der Anklage informiert werden. Deshalb werden wir auch heute noch Journalisten treffen, die für deutsche Medien arbeiten. Nach dem frühen Aufstehen wird es noch ein langer Tag werden.

Herzlichen Gruß aus Tokio
Brigitte Behrens


Wir helfen unseren japanischen Kollegen

7. Dezember 2008

Tokio – die Stadt ist voll und es ist laut. Aber die Menschen hier sind unglaublich freundlich. Eine komplett andere Welt. Seit gestern sind wir hier. Wir, das sind Oliver Salge aus dem Wälder- und Meeresbereich, Patric Salize aus unserer Pressestelle, und ich als Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland. Wir sind in Japan, um zwei unserer Greenpeace-Kollegen zu unterstützen. Sie sind in Aomori, einer kleinen Hafenstadt im Norden Japans, angeklagt. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Diese drastische Strafe droht ihnen nicht etwa, weil sie gewalttätig waren oder eine Bank überfallen hätten. Nein, sie sind angeklagt, weil sie sich für den Schutz der Wale eingesetzt haben. Im Mai diesen Jahres haben Junichi Sato und Toru Suzuki unterschlagenes Walfleisch sichergestellt und der Staatsanwaltschaft übergeben. Damit haben die beiden Greenpeacer den größten Skandal der japanischen Walfanggeschichte aufgedeckt.

Das Walfleisch stammte aus dem Schutzgebiet im Südpolarmeeres. Mit dem Wissen der Behörden haben die Besatzungsmitglieder des japanischen Walfangschiffes das Fleisch von Bord geschmuggelt und wollten es auf eigene Rechnung verkaufen. Zeugenaussagen beweisen, dass dies seit vielen Jahren Praxis ist. Das japanische Walfangprogramm in Südpolarmeer wird vom „Institut für Walforschung“ angeblich zu Forschungszwecken durchgeführt. Es wird zum größten Teil vom japanischen Steuerzahler finanziert.
Anfangs haben die japanischen Medien noch über den Skandal berichtet. Doch die Walfanglobby in Japan scheint stark zu sein, denn es ist sehr ruhig um diese Geschichte geworden. Die Staatsanwaltschaft versicherte, den von Greenpeace übergebenen Beweisen im Fall „Walfleischskandal“ nachzugehen. Aber die Ermittlungen gegen die Walfänger wurden nach kurzer Zeit eingestellt – dafür wurde Anklage gegen unsere zwei Kollegen erhoben.

Und diese Anklage gegen Junichi und Toru läuft immer noch. Wir sind jetzt in Tokio, um die beiden Aktivisten zu unterstützen und den Fall in die Öffentlichkeit zu bringen. Wie genau wir das machen, werde ich in den kommenden Tagen hier im Blog schreiben.

Ihr könnt jetzt schon etwas tun: Wir suchen Online-Unterstützer. Ich möchte Euch bitten, Euch zusammen mit uns für die Freilassung von Junichi und Toru einzusetzen. Bitte versucht auch Eure Familie, Freunde und Bekannte zum Mitmachen zu bewegen. Nur zusammen können wir Druck auf die japanische Regierung machen. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen.

Herzlichen Gruß aus Tokio,
Brigitte Behrens



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